Erinnerung an die Tragödie
von Duisburg


Es sollte eine fröhliche Party werden – und wurde zum Alptraum: Am 24. Juli 2010 starben 13 Frauen und acht Männer auf der Duisburger Loveparade oder erlagen wenige Tage später ihren Verletzungen.  Mindestens 540 weitere Menschen wurden verletzt, als am Eingang zum Festivalgelände eine Massenpanik ausbrach.

Dabei hatten sich die Verantwortlichen einen Imagegewinn von der Loveparade versprochen: Sie wollten der Welt zeigen,  dass Duisburg mehr ist, als nur das Klischee von Schacht, Stahl und Schimanski. Es kam anders. Der Schatten der Katastrophe liegt auch Jahre später noch über der Stadt.

Wie kam es zu der Tragödie? Zum Jahrestag der Duisburger Loveparade wollen wir die Ereignisse, die zum Tod von 21 Menschen geführt haben, in einer Chronik Revue passieren lassen.



Der Traum von der Millionen-Party

Februar 2007 – Die Loveparade kommt ins Revier


Als Berlin die Loveparade nicht mehr haben will, springt das Ruhrgebiet in die Bresche. Das Mega-Event soll in verschiedenen Metropolen des Reviers stattfinden. Die Verantwortlichen bejubeln den „unbezahlbaren Image-Gewinn.“


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Januar 2009 – Bochum sagt die Loveparade ab


Nach erfolgreichen Loveparades in Essen und Dortmund sagt Bochum die Techno-Party kurz vor dem Start ab – und kassiert dafür Prügel. Fritz Pleitgen, Chef von „Ruhr.2010“, macht nun Druck auf Duisburg: „Hier müssen alle Anstrengungen unternommen werden, um dieses Fest der Szenekultur mit seiner internationalen Strahlkraft auf die Beine zu stellen.“


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Juli 2010 – Loveparade-Euphorie und Sicherheitsbedenken


Das Ruhrgebiet fiebert seiner dritten Loveparade entgegen. Kersten Sattler, künstlerischer Direktor der Loveparade, lobt den Standort Duisburg und spricht im Interview von einem „fast perfekten Eventgelände.“


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21. Juli 2010 – die Loveparade wird durchgeboxt


Obwohl das Sicherheitskonzept mehr als lückenhaft ist, boxen die Verantwortlichen bei der Stadt das Megaevent Loveparde durch – und setzen dafür sogar das Baurecht außer Kraft.


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Die Akteure der Loveparade-Katastrophe


  • verantwortlich-sauerland

    Adolf Sauerland

    Adolf Sauerland amtiert seit 2004 als Oberbürgermeister von Duisburg. Sauerland ist das erste Stadtoberhaupt mit CDU-Parteibuch nach mehr als fünf Jahrzehnten SPD-Herrschaft. 2009 wird er wiedergewählt. Die Loveparade soll seine Amtszeit schmücken, Sauerland will das Festival unbedingt stattfinden lassen.

  • Fritz Pleitgen

    Der gebürtige Duisburger und ehemalige WDR-Intendant ist der Chef des Kulturhauptstadt-Jahres. Neben dem „Still-Leben A40“ gilt die Loveparade als wichtigstes Event von „Ruhr.2010“.

  • Michael Schreckenberg

    Schreckenberg arbeitet als Professor an der Universität Duisburg-Essen und hat dort den Lehrstuhl für „Physik von Transport und Verkehr“ inne. Als wissenschaftlicher Berater soll er das Sicherheitskonzept der Loveparade prüfen.

  • Rainer Schaller

    Rainer Schaller kauft 2006 die finanziell angeschlagene Lopavent GmbH. Das Unternehmen ist Veranstalter der Loveparade. Schaller hat den Umzug der Loveparade ins Revier organisiert und nutzt das Festival als Werbeplattform für seine Fitnessstudiokette McFit.

  • Wolfgang Rabe

    Duisburgs OB Adolf Sauerland holt den Juristen 2006 als Sicherheitsdezernent ins Rathaus. Rabe wird Gesamtkoordinator der Loveparade und leitet den Krisenstab. Rabe trägt Sorge dafür, dass die Loveparade in Duisburg auf jeden Fall stattfindet.

  • Jürgen Dressler

    1995 wird Jürgen Dressler Planungs- und Baudezernent der Stadt Duisburg. Noch wenige Wochen vor der Loveparade kritisiert er die Fluchtwegplanung auf dem Festivalgelände und lehnt schriftlich seine Verantwortung ab. Offenbar nach einem Gespräch mit Sicherheitsdezernent Wolfgang Rabe genehmigt sein Dezernat dann schließlich doch die Pläne der Organisatoren.


Der Tag der Katastrophe


9:00 Uhr – Die Feuerwehr gibt sich zuversichtlich


Der Tag der Loveparade hat begonnen. Das Wetter ist gut, es sind 19 Grad im Schatten, und die Regenwahrscheinlichkeit liegt bei Null Prozent.


„Das Gelände ist rundum entfluchtbar und so groß, dass wir uns keine Sorgen machen“

Björn Köllen, Sprecher der Loveparade



9:03 Uhr – Gedränge am Hauptbahnhof


Erste Raver sind bereits am Vorabend eingetroffen. Am Morgen kommt die Masse mit Macht. Viele beschweren sich über mangelnde Ausschilderung. Denn obwohl das Festivalgelände sich in der Nähe des Bahnhofs befindet, werden die Besucher zunächst durch die Innenstadt geleitet.


10:56 Uhr – Der Tunnel füllt sich


Weil es schnell voll wird, ist der Tunnel – der einzige Zugang zum Festivalgelände –  schon jetzt zeitweilig abgesperrt. Viele Besucher aus umliegenden Städten sind irritiert, weil sie durch einen dunklen langen Tunnel geleitet werden.


12:00 Uhr – Die Menschen drängen in den Tunnel


Um zwölf Uhr wird nach Aussage mehrerer Augenzeugen plötzlich der Tunnel von beiden Seiten geöffnet. Die Menschen drängen hinein. Immer wieder werden bis 14 Uhr Zugänge gesperrt, um eine Überfüllung des Tunnels zu vermeiden.


13:50 – Warnung per SMS


Die Dortmunder Till  Hoppe und seine Frau Sonja sind gerade auf dem Weg zur Loveparade, als sie eine SMS bekommen, die sie vor dem Chaos auf der Loveparade warnt. Sie bleiben in Dortmund – und damit in Sicherheit.


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13:55 Uhr – Der Tunnel wird zum Flaschenhals


Polizisten melden, die Zuwege seien überfüllt. Die Auslastung der Tunnelstrecke liegt da schon bei 90 Prozent. Dabei ist das Veranstaltungsgelände selbst bestenfalls halb voll.


14:00 Uhr – Die Loveparade beginnt


Die Stadt ist voll mit Menschen. Auf dem Gelände am Güterbahnhof zählt die Masse den Countdown herunter, mit dem Gongschlag eröffnet die Hymne „The Art of Love“ die 20. Loveparade.

14:25 Uhr – Gute Stimmung


Die Stimmung auf dem Gelände ist gut. Auf dem steinigen und staubigen Boden tanzen die Fans zu elektronischer Musik. Auf den Floats heizen Tänzer die Menge an. Viele Besucher sind verkleidet, tragen Perücken – oder haben sich die T-Shirts ausgezogen.



14:47 Uhr – Erste ernsthafte Probleme


Im dichten Gedränge auf den Zuwegen bekommen viele jetzt Kreislaufprobleme. Im Polizeifunk berichten die Beamten von „einer hilflosen Person mit unregelmäßigem Puls.“ Ein Rettungswagen versucht durch die Menge auf das Gelände zu fahren: Menschen werden zur Seite gedrückt, der ohnehin schon hohe Druck wird noch verstärkt.


15:03 Uhr – Besucher drängeln sich an der Rampe


Während sich an der Rampe die Besucher drängeln, ist auf dem Gelände selbst massig Platz. Ein Problem: Viele ankommende Fans bleiben am Anfang des Geländes stehen, statt weiter durchzugehen.


15:18 Uhr – Rückstau im Tunnel


Die Lage an der Rampe gerät langsam außer Kontrolle. „Hier sind ein paar Leute zusammengebrochen, die wurden aber kreuz und quer raustransportiert, wo gerade Platz war“, wird im Polizeifunk vermeldet. Weil die Rampe überfüllt ist, gelangen Sanitäter kaum auf das Gelände.



16:15 Uhr – Die Polizeikette wird überrannt


Im Osteingang zum Tunnel kann die Polizei die Menschen nicht mehr aufhalten, die Kette wird von den Menschenmassen kurzzeitig überrannt.


„Da oben entzerrt sich nichts, und die Leute klettern uns hier auch seitlich auf das alte Stellwerk rauf.“

Beamter im Polizeifunk
16:35 Uhr – Die Polizei spricht von „Lebensgefahr“

„In der Karl-Lehr-Straße im Tunnel zur Rampe kommt es zu lebensbedrohlichen Situationen aufgrund des Drucks, der von hinten kommt. Die Menschen werden da an die Mauer gepresst.“ Die Funksprüche der Beamten klingen immer verzweifelter: „Tunnel ist vollgelaufen, und ich kriege auf dem Gelände keine Entfluchtung hin.“




16:40 Uhr – Die Katastrophe nimmt ihren Lauf


Die Polizei funkt: „Feuerwehr meldet panikartige Bewegungen am Aufgang zum Gelände. Es werden teilweise Menschen überrannt.“ Erste Besucher reißen jetzt Absperrzäune nieder, um dem Druck zu entfliehen. Weil entgegen der Auflagen keine Lautsprecheranlage installiert wurde, kann die Polizei die Menschenmassen nicht in den rettenden, südlichen, Bereich des Geländes lotsen. Menschen versuchen, über einen schmalen Treppenaufgang, der auf die Festivalebene führt, zu entkommen.


„Feuerwehr meldet panikartige Bewegungen am Aufgang zum Gelände. Es werden teilweise Menschen überrannt.“

Polizeifunk

16:45 Uhr – Panik bricht aus


Der Druck auf die Menschen an der Rampe nimmt immer weiter zu. Viele Besucher sind in Panik, bekommen keine Luft mehr und fallen in Ohnmacht. Ordner, Polizisten und Besucher ziehen über eine kleine Treppe bewusstlose Personen aus dem Chaos nach oben. Umstehende versuchen in der Menge die Bewusstlosen aufrecht zu halten, damit sie nicht niedergetrampelt werden. Nicht immer gelingt es ihnen. Später wird feststehen, dass Menschen im Gedränge erstickt wurden.


16:58 Uhr – „Wir haben hier eine tote Person“


Die Lage ist nun endgültig außer Kontrolle geraten, die Massenpanik wird zur Katastrophe.

Mitschnitt aus der Notrufzentrale der Polizei, ein Beamter ruft seine Kollegen von seinem privaten Handy aus an: (Geschrei im Hintergrund) „Wir haben hier eine tote Person. Direkt am Ausgang. Am Ausgang, am Eingang zur Loveparade. Am Eingang zur Loveparade. Eine tote Person, vielleicht auch zwei. Vielleicht auch zwei. Bitte, Notarzt. Wir brauchen Notarzt.“



uebersicht





17:15 Uhr – Veranstalter zeigen sich zufrieden


Bürgermeister Adolf Sauerland lädt zusammen mit Lopavent-Chef Rainer Schaller zu einer ersten Pressekonferenz.

Die Organisatoren ziehen ein vorläufiges Resümee und zeigen sich gegenüber der Presse vollends zufrieden. Sie berichten von mehreren Hunderttausend Menschen, die in Duisburg feiern. Bis zum Abend werden es über den Tag verteilt 1,4 Millionen Besucher sein, glaubt Schaller.

Zu diesem Zeitpunkt sind bereits mindestens zwei Loveparade-Besucher tot.


17:31 Uhr – SMS sorgt für Unruhe bei Sauerland


Adolf Sauerland steht während eines Pressetermins neben TV-Moderator Oliver Pocher. Der Oberbürgermeister soll jetzt ein Interview geben. Kurz bevor die Kameras aufzeichnen, werden die Verantwortlichen der Loveparade unruhig. SMS-Töne piepsen, Handys werden weitergereicht. Gerüchte über die Massenpanik machen die Runde. Sauerland lässt sich gegenüber den Medienvertretern nichts anmerken.


17:48 Uhr – Die Party geht weiter


Die meisten Menschen oberhalb der Rampe haben vom Ausmaß der Katastrophe nichts mitbekommen, die Besucher tanzen weiter zur Musik. Funkspruch der Polizei : „Wann wird hier endlich die Musik ausgemacht? Es soll ne Loveparade sein und keine Tottretparade.“

Tom Novy ist als DJ auf der Loveparade. Wie seine Kollegen legt auch er weiterhin seine Platten auf, um eine weitere Panik zu verhindern: „Wenn ich jetzt die Musik ausmache, drehen die Leute komplett durch.“


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17:57 Uhr – Polizei spricht erstmals von Toten


„Offenbar zehn Personen“ seien getötet worden, heißt es in der ersten offiziellen Mitteilung der Polizei. Erste Helfer vor Ort versuchen Opfer zu reanimieren. Im Bereich der Rampe liegen nun Tote und Schwerverletzte zwischen Schuhen, Rettungsdecken und leeren Flaschen. Die Party oberhalb der Rampe ist weiterhin in vollem Gang.


18:20 Uhr – „Dreht doch endlich mal einer den Strom ab“


Im Fernsehen wird die Loveparade noch immer live übertragen. Die Moderatoren Catherine Vogel und Thomas Bug müssen die Zuschauer über die Tragödie informieren, während im Hintergrund die Floats zu fröhlicher Techno-Musik fahren.

In einem Interview wird Bug später sagen: „Irgendwann dachte ich, dreht doch endlich mal einer der Veranstaltung den Strom ab. Man hätte die Party um 20 Uhr beenden können, damit alle noch geordnet bei Tageslicht hätten nach Hause gehen können.“


18:45 Uhr – Die Feiernden bekommen nichts mit


Da das Handynetz kaum funktioniert, bekommt ein Großteil der Feiernden oberhalb der Rampe nicht mit, dass wenige Meter entfernt mehrere Menschen gestorben sind. Die Fans feiern ausgelassen auf dem Gelände.

Derweil fahren Kolonnen von Rettungswagen in Richtung Festivalgelände. Notärzte und Sanitäter versorgen dort Hunderte von Verletzten.


19:45 Uhr – Die Veranstalter geben den Besuchern die Schuld


Bei einer Pressekonferenz verkündet Duisburgs Sicherheitsdezernent Wolfgang Rabe: „…die Todesopfer haben Absperrungen überklettert.“ Die Engpässe seien durch Besucher ausgelöst worden, die sich beim Zugang zum Veranstaltungsgelände vordrängeln wollten. Dabei sei eine Gruppe von mehreren Personen im Bereich des Tunnelaufgangs über eine Absperrung geklettert und abgestürzt. Es habe keine Mängel am Sicherheitskonzept gegeben. Diese Meinung vertritt auch Oberbürgermeister Adolf Sauerland.

Etwa zeitgleich meldet sich der Loveparade-Erfinder Dr. Motte zu Wort. Er sieht die Verantwortung bei den Organisatoren und nicht bei den Besuchern. „Das Gelände abzusperren war ein Fehler“, sagt er.


„Die Veranstalter sind schuld.“

Loveparade-Erfinder Dr. Motte




19:50 Uhr – Notlazarett wird eingerichtet


Die Rettungskräfte richten auf der A59 ein Notlazarett ein. Verletzte werden in die umliegenden Krankenhäuser gebracht. Martinshorn schallt ununterbrochen durch die Straßen.


20:05 Uhr – Eltern suchen ihre Kinder


Besucher, die im Gedränge am Tunnel waren, stehen unter Schock, viele liegen sich weinend in den Armen. Manche Besucher haben ihre Schuhe oder andere Kleidungsstücke verloren, die Gesichter sind staubbedeckt, orientierungslos versuchen sie, zum Hauptbahnhof zu gelangen. Besorgte Eltern sind nach Duisburg gekommen um nach ihren Kindern zu suchen: Handys funktionieren oft nicht, die Netze sind überlastet.


20:12 Uhr – Erneutes Gedränge am Hauptbahnhof


Am Duisburger Hauptbahnhof haben Polizisten Absperrungen aufgebaut. Zu groß ist die Masse der Besucher, die jetzt nur noch nach Hause will, aber die Kapazitäten der Bahn reichen nicht aus. Für manche Menschen ist das erneute Gedränge zu viel: Sie brechen in Tränen aus.


20:25 Uhr – Die Floats fahren weiter


Auf dem Gelände ziehen die Floats weiter ihre Kreise. Die Besatzungen sind deutlich dezimiert. Ein Float hat die Musik ausgemacht, auch im VIP-Zelt haben sich die Reihen gelichtet. Das Ultraschall-Float verlässt wenig später als erster das Partygelände. Für die anderen geht es weiter.

21:15 Uhr – Besucher laufen fassungslos durch die Straßen


Verzweiflung und Trauer in vielen Gesichtern: Eltern suchen ihre Kinder, die sie über das Handy nicht erreichen können. Loveparade-Besucher laufen fassungslos durch die Straßen, schockiert von den Szenen, die sie gerade erlebt haben. Andere erfahren erst jetzt, was heute Nachmittag auf dem Gelände passiert ist. Wer wieder Empfang hat, der bekommt jetzt Dutzende Nachrichten von besorgten Angehörigen und Freunden.


22:00 Uhr – „Wir haben uns schützend über ihn gelegt“

Klinikum Duisburg: Patrick Janßens, Tobias Röhr und Sascha Fleischer hocken vor dem Haupteingang auf einer Bank, rauchen und zittern. Die drei steckten im Tunnel fest, als plötzlich Sascha Fleischer zusammenklappte. „Wir konnten ihn nicht hochhalten, also haben wir uns schützend über ihn gelegt“, erzählen die Freunde. Irgendwann schaffen sie es mit Hilfe der Ordner, ihn an den Rand auf Schotter zu legen. Den Tropf, den ein Sanitäter anbringt, halten sie ihm, bis er abtransportiert wird.


„Wir konnten ihn nicht hochhalten, also haben wir uns schützend über ihn gelegt.“Patrick Janßens und Tobias Röhr, Loveparade-Besucher

22:05 Uhr – Die Loveparade geht zu Ende


Die Party löst sich allmählich auf, die letzten Partygäste verlassen das Gelände. Auf den Straßen liegen leere Flaschen und zerdrückte Plastikbecher. Blaulicht reflektiert an den Häusern. Bis spät in die Nacht irren Besucher durch die Innenstadt, versuchen nach Hause zu kommen.

21 Menschen haben ihr Leben verloren. Über 540 wurden verletzt. Es ist auch das Ende der Loveparade.


Ein Schatten über der Stadt

November 2010 – Ketchup-Attacke auf Adolf Sauerland


Duisburgs Oberbürgermeister Adolf Sauerland steht nach der Loveparade im Zentrum der Kritik. Manche nehmen ihm übel, dass er kaum ein Wort des Bedauerns verliert und die Schuld für die Katastrophe weit von sich weist. Viele Duisburger fordern seinen Rücktritt, Sauerland lehnt das ab. Am 11. November 2010 entlädt sich die Wut der Bürger in einer Ketchup-Attacke auf den OB.


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12. Februar 2012 – Adolf Sauerland wird abgewählt


Bis zuletzt glaubt Adolf Sauerland an seinen Verbleib im Amt. „Du kannst nach Hause gehen“, schallt es indes über den Rathausplatz, als das Ergebnis der Sauerland-Abwahl bekanntgegeben wird.


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19. Juli 2013 – Die Loveparade-Gedenkstätte wird eröffnet


Drei Jahre nach der Loveparade-Katastrophe wird der Güterbahnhof zur historischen Stätte. Nun erinnert ein Denkmal an das Unglück – und bringt die Bilder von der Katastrophe zurück.


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Was aus den Akteuren der Loveparade-Katastrophe wurde


  • verantwortlich-sauerland

    Adolf Sauerland

    Nach seiner Abwahl im Jahr 2012 hat Sauerland sich weitgehend aus der Öffentlichkeit zurückgezogen. Er arbeitet im Reisebüro seiner Familie. Seinen letzten öffentlichen Auftritt im Zusammenhang mit der Tragödie absolvierte er 2014 als Zeuge im Loveparade-Untersuchungsausschuss des Landtags. Juristisch wird Sauerland nicht belangt.

  • Fritz Pleitgen

    Pleitgen widerspricht dem Vorwurf, Druck auf die Duisburger Stadtspitze ausgeübt zu haben. Von Sicherheitsbedenken habe er nie gehört. Trotzdem gesteht er eine „moralische Mitschuld“ ein. Im August 2010 wird gegen ihn Anzeige bei der Staatsanwaltschaft Duisburg erstattet. Juristisch belangt wird Pleitgen letztlich aber nicht. Die Loveparade-Katastrophe hat seinem Ansehen kaum geschadet. Seit 2013 sitzt er im Kuratorium der einflussreichen Krupp-Stiftung.

  • Michael Schreckenberg

    Unmittelbar nach der Loveparade gibt Schreckenberg den Besuchern die Schuld an der Loveparade-Katastrophe. Später entschuldigt er sich für diese Aussage. Vor Gericht muss sich Schreckenberg nicht verantworten. Er gilt nach wie vor als renommierter Wissenschaftler und wird 2011 in die Europäische Akademie der Wissenschaften und Künste berufen.

  • Rainer Schaller

    Unternehmer Schaller gibt der Polizei die Schuld an der Katastrophe. Ein aufwändig produziertes Video mit Bildern aus Überwachungskameras, das er ins Netz stellt, soll das Versagen der Beamten belegen. Seine Fitnessstudiokette McFit hat nach dem Unglück unter einem Imageknick zu leiden – aber nur kurz: Das Unternehmen ist seit Jahren auf Expansionskurs. Die Staatsanwaltschaft ermittelt zu keinem Zeitpunkt gegen Loveparade-Chef Rainer Schaller.

  • Wolfgang Rabe

    Auf der ersten Pressekonferenz nach der Loveparade erklärt Rabe, die Besucher seien selbst für die Katastrophe verantwortlich. Ansonsten äußert er sich später kaum noch öffentlich zur Loveparade. Im April 2014, dreieinhalb Jahre nach der Tragödie, wird Rabe als Dezernent abgewählt. Die Staatsanwaltschaft klagt den Gesamtkoordinator der Loveparade nicht an.

  • Jürgen Dressler

    Im Dezember 2010 lehnt der Duisburger Rat die Wiederwahl Dresslers ab. Nach 15 Jahren im Amt geht er in den Ruhestand. Gegen ihn sowie vier Mitarbeiter des Bauamts und fünf Lopavent-Angestellte hat die Staatsanwaltschaft im Zusammenhang mit der Loveparade-Katastrophe Anklage erhoben.  Ihnen werden Fehler bei der Planung des Festivals vorgeworfen.


Gewidmet den Opfern der Loveparade 2010